Wie stark belastet Desinformation die kommunale Politik?
Desinformation ist längst nicht nur ein Problem großer nationaler Debatten. Sie wirkt auch dort, wo Demokratie für viele Menschen am direktesten erfahrbar ist: in Städten, Gemeinden und kommunalen Gremien.
Das zeigt die Begleituntersuchung „Starkes Mandat“, die forsa im Auftrag der Körber-Stiftung durchgeführt hat. Befragt wurden insgesamt 232 Bürgermeister*innen, 434 Ratsmitglieder und 123 leitende Verwaltungsmitarbeitende in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Die Online-Befragung lief vom 3. Juli bis 17. August 2026. (Studie Seite 1)
Im Mittelpunkt standen Konflikte in den Kommunen, Erfahrungen mit Desinformation, Anfeindungen und Bedrohungen sowie die Frage, welche Unterstützung kommunale Akteur*innen brauchen, um in schwierigen Situationen handlungssicher zu bleiben.
Studie Desinformation: zentrale Ergebnisse aus „Starkes Mandat“
Besonders relevant auch für die Arbeit von codetekt sind drei Befunde:
- Desinformation ist Teil des kommunalpolitischen Alltags. In allen drei befragten Gruppen berichten große Teile der Befragten von Erfahrungen mit bewussten und gezielten Falschmeldungen über ihre Arbeit.
- Soziale Medien und persönliche Weitergabe spielen eine zentrale Rolle. Falschmeldungen verbreiten sich laut Befragten vor allem über Mundpropaganda und soziale Medien. Also genau über die Kanäle, in denen Vertrauen, Kontext und schnelle Einordnung besonders wichtig sind.
- Viele kommunale Akteur*innen wünschen sich Unterstützung. Kostenfreie Schulungen, praxisnahe Leitfäden, Erstberatung und Vernetzung werden gruppenübergreifend von großen Mehrheiten als hilfreich eingeschätzt.
Zentrale Ergebnisse der Befragung der Bürgermeister- und Bürgermeisterinnen
Besonders deutlich wird das Problem bei den Bürgermeister*innen. Eine Mehrheit hat bereits Erfahrungen mit bewussten und gezielten Falschmeldungen über die eigene Arbeit gemacht. In Mecklenburg-Vorpommern berichten 56 Prozent von solchen Erfahrungen, davon 44 Prozent mehrfach. In Sachsen-Anhalt liegt der Anteil sogar bei 74 Prozent, 54 Prozent davon mehrfach. (Studie Seite 6.)
Auch mit Blick auf die Landtagswahlen war die Sorge groß, denn 42 Prozent der Bürgermeister*innen in Mecklenburg-Vorpommern und 66 Prozent in Sachsen-Anhalt befürchteten, dass Desinformation im Wahlkampf zunimmt. Die Studie zeigt außerdem, dass Falschmeldungen vor allem über Mundpropaganda, soziale Medien, Messenger-Dienste und lokale Online-Foren verbreitet werden. Bei betroffenen Bürgermeister*innen in Sachsen-Anhalt nennen 84 Prozent soziale Medien als Verbreitungskanal, in Mecklenburg-Vorpommern 72 Prozent persönliche Weitergabe bzw. Mundpropaganda. (Studie Seite 7)
Auch Ratsmitglieder und Verwaltungen sind betroffen
Etwa die Hälfte der Ratsmitglieder berichtet von Erfahrungen mit gezielten Falschmeldungen über die eigene Arbeit. 51 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 44 Prozent in Sachsen-Anhalt. Eine Mehrheit sorgt sich zudem, dass Desinformation im Zuge der Landtagswahlkämpfe zunimmt.
54 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 63 Prozent in Sachsen-Anhalt. (Studie Seite 17)
Bei leitenden Verwaltungsmitarbeitenden zeigt sich ein ähnliches Muster. Auch hier hat etwa die Hälfte in beiden Bundesländern bereits Erfahrungen mit bewussten und gezielten Falschmeldungen gemacht. (Studie Seite 31)
Warum das demokratisch relevant ist
Desinformation wirkt nicht nur auf einzelne Personen. Sie verändert auch das Klima, in dem kommunale Politik stattfindet. Die Studie zeigt, dass viele Befragte eine veränderte Stimmung vor Ort wahrnehmen. Bürgermeister*innen berichten unter anderem von wachsender Unzufriedenheit, Vertrauensverlust, rauerem Umgangston, Polarisierung und sinkender Dialogbereitschaft. In Sachsen-Anhalt geben 62 Prozent der Bürgermeister*innen an, dass sich die allgemeine Stimmung in ihrer Stadt oder Gemeinde in den letzten Monaten verändert habe; in Mecklenburg-Vorpommern sind es 47 Prozent. (Studie Seite 13)
Für die Kommunalpolitik in den besagten Bundesländern bedeutet das, Digitale Sicherheit, Kommunikationsfähigkeit und ein souveräner Umgang mit Falschinformationen werden zu zentralen Voraussetzungen demokratischer Handlungsfähigkeit.
Fazit: Kommunale Demokratie braucht Orientierung
Die Begleituntersuchung „Starkes Mandat“ macht uns deutlich, dass Desinformation längst Teil kommunalpolitischer Realität ist. Sie verbreitet sich über persönliche Gespräche, soziale Medien und Messenger-Dienste, verstärkt Unsicherheit und kann Vertrauen in demokratische Prozesse schwächen.
Umso wichtiger sind Angebote, die Handlungssicherheit schaffen. Kommunale Demokratie braucht Menschen, die Informationen einordnen, Konflikte moderieren und Vertrauen stärken können. Genau hier setzen Projekte wie „Starkes Mandat“ an und genau hier bringt codetekt seine Expertise gegen Desinformation ein.
Was codetekt im Projekt „Starkes Mandat“ macht
Im Projekt „Starkes Mandat“ unterstützt codetekt kommunale Akteur*innen dabei, Desinformation besser zu erkennen, einzuordnen und ihr sicherer zu begegnen. Im Mittelpunkt steht dabei unser Trust-Checking-Ansatz: Statt vorschnell nur nach „wahr“ oder „falsch“ zu fragen, prüfen wir gemeinsam, wie vertrauenswürdig eine Information ist. Dabei geht es um Quellen, Kontext, Belege, mögliche Manipulationstechniken und die Frage, wie man in angespannten Situationen klar und demokratisch kommunizieren kann.
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