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01.07.2026

NGO-Files und Anti-NGO-Narrative

3 Mythen & Warum NGOs gerade jetzt Unterstützung brauchen NGOs stehen aktuell stark unter Druck. Immer wieder werden Anti-NGO-Narrative genutzt, um gemeinnützige Organisationen, Vereine und ihre Arbeit zu delegitimieren. Das zeigt sich auch an den Debatten rund um sogenannte NGO-Files: eine KI-basierte Rechercheplattform, die Informationen über gemeinnützige Organisationen sammelt und ihre Finanzierung sowie ihr Wirken…
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02.06.2026

Training für Gegenrede: Stark im Gespräch gegen Desinformation!

Online-Workshop | 23.06.26 | 18-19:30 Uhr Mach’ mit beim digitalen Training für Gegenrede! In diesem Workshop vermitteln wir gezielte Inputs rund um das Thema Desinformation sowie wirkungsvolle Strategien für den Umgang in herausfordernden Gesprächssituationen. In praktischen Übungen bekommst du die Möglichkeit, das neue Wissen zu erproben – mit gegenseitiger Unterstützung und Raum zum Ausprobieren. So…
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27.04.2026

Einladung zum Community-Event: Checken statt glauben. Werde aktiv gegen Fake-News!

Mission Flood the zone with trust - unsere Antwort auf Fake-News! Im September wird in vier Bundesländern gewählt. Wo gewählt wird, haben Falschinformationen Hochsaison. Sie verunsichern, spalten und beeinflussen Entscheidungen. Setze mit uns etwas dagegen: gemeinsam, sichtbar und vertrauenswürdig. Sei bei unserer Online-Veranstaltung am 12. Mai von 18–19:30 Uhr dabei! Jede Mission braucht ein ordentliches…
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22.06.2026

Blog & Wissen

Frauenhass klickt – und genau das ist das Problem

Autor:in

redaktion

Wie Social Media frauenfeindliche Narrative verstärkt und warum das deutlich mehr mit Desinformation zu tun hat, als viele denken

von Naouar Bourahla

Frauenhass kickt und klickt im Netz

Mit diesem Satz brachte die Journalistin und Aktivistin Düzen Tekkal ein Problem auf den Punkt, das online immer sichtbarer wird. Denn Frauenhass begegnet uns heute längst nicht mehr nur dort, wo er offensichtlich ist. Er findet sich nicht ausschließlich in Hasskommentaren oder extremistischen Foren. Er taucht in Podcasts auf, in TikTok-Clips, Instagram-Reels, Livestreams und Interviews. Oft verpackt als Motivation, Dating-Tipp, Unterhaltung oder vermeintlich “harte Wahrheit”. Genau das macht ihn so schwer greifbar.

Wer durch Social Media scrollt, stößt früher oder später auf Aussagen wie diese: Frauen seien “von Natur aus fauler” als Männer. Frauen seien nicht dafür gemacht, Ressourcen zu schaffen, sondern Kinder großzuziehen. Frauen würden ihre Werte über Männer vorgegeben bekommen. Oder die Frage, ob Frauen überhaupt jemals unterdrückt worden seien, oder ob uns das nur erzählt wurde. Liest man solche Aussagen, wirken sie teilweise absurd. Millionen Aufrufe zeigen jedoch, dass sie Gehör finden.

Und genau hier stellt sich die Frage: Warum verbreiten sich solche Inhalte so erfolgreich? Warum scheinen gerade extreme Aussagen online besonders gut zu funktionieren? Und was macht das mit Menschen, die ihnen täglich begegnen?

Warum extreme Aussagen online so erfolgreich sind

Die große Reichweite solcher Inhalte ist kein Zufall. Plattformen wie TikTok, Instagram oder Youtube entscheiden nicht danach, welche Inhalte besonders ausgewogen, respektvoll oder wissenschaftlich fundiert sind. Relevant ist vor allem, ob Menschen reagieren. Wer wütend wird, kommentiert. Wer sich provoziert fühlt, diskutiert. Wer widerspricht, sorgt ebenfalls für Reichweite. Selbst Empörung wird vom Algorithmus als Interaktion registriert. Inhalte verbreiten sich jedoch nicht nur durch Ablehnung, sondern auch durch Zustimmung. Wer sich in einer Aussage wiederfindet, fühlt sich verstanden. Wer glaubt, endlich eine Erklärung für eigene Erfahrungen gefunden zu haben, bleibt länger bei einem Video. Wer das Gefühl hat, Teil einer Gemeinschaft zu sein, teilt Inhalte häufiger mit anderen.

Genau deshalb haben extreme Aussagen oft einen Vorteil gegenüber differenzierten Einordnungen.

Eine Aussage wie “Beziehungen sind komplex und von vielen Faktoren abhängig” geht selten viral. Die Behauptung “moderne Frauen sind das Problem” hat deutlich bessere Chancen. Nicht, weil sie richtig ist, sondern weil sie einfacher ist. Sie bietet eine schnelle Erklärung, einen klaren Schuldigen und das Gefühl, etwas verstanden zu haben.

Das ist übrigens kein Zufall. Es ist dieselbe Logik, die auch viele andere Formen der Desinformation erfolgreich macht. Menschen suchen Orientierung. Komplexe Antworten sind anstrengend. Einfache Erklärungen wirken oft attraktiver, weil sie schnell verständlich sind und bestehende Überzeugungen bestätigen. Gleichzeitig sind komplexe Informationen nicht für alle Menschen gleichermaßen zugänglich: Fachsprache, fehlendes Vorwissen oder begrenzte zeitliche und bildungsbezogene Ressourcen können es erschweren, differenzierte Zusammenhänge zu erfassen. Vereinfachende Narrative bieten dagegen klare Schuldige und scheinbar eindeutige Antworten. 

Was das mit Desinformation zu tun hat

Wenn von Desinformation die Rede ist, denken viele Menschen zunächst an Fake News, manipulierte Bilder oder erfundene Nachrichten. Doch Desinformation funktioniert oft subtiler.

Nicht jede irreführende Aussage ist vollständig erfunden. Häufig entsteht ein verzerrtes Bild der Realität dadurch, dass Informationen vereinfacht, aus dem Zusammenhang gerissen oder selektiv dargestellt werden. 

Genau das lässt sich auch bei vielen frauenfeindlichen Narrativen beobachten.

Wenn behauptet wird, Frauen seien grundsätzlich weniger leistungsbereit als Männer, wird aus Milliarden individueller Lebensrealitäten eine einzige biologische Erklärung gemacht. Wenn suggeriert wird, Gleichberechtigung habe heterosexuelle Beziehungen zerstört, werden gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen auf eine einzige Ursache reduziert.

Besonders problematisch wird es, wenn solche Aussagen mit dem Anschein von Wissenschaftlichkeit versehen werden. Begriffe wie “Biologie”, “Evolution” oder “Natur des Menschen” werden häufig genutzt, um Behauptungen zu legitimieren. Diese werden so als unumstößliche Fakten ausgegeben, statt als persönliche Überzeugungen oder ideologische Weltbilder.

Für viele Nutzer*innen ist dieser Unterschied jedoch nicht immer leicht zu erkennen, insbesondere dann nicht, wenn Aussagen selbstsicher präsentiert, millionenfach geklickt und ständig wiederholt werden.

Die Rolle von Alpha-Male-Influencern

Besonders sichtbar wird dieses Muster bei sogenannten Alpha-Male-Influencern.

Ihre Inhalte drehen sich häufig um Erfolg, Status, Dating oder Männlichkeit. Wenn Frauen pauschal als oberflächlich, manipulativ oder Männern unterlegen dargestellt werden, entsteht der Eindruck, gesellschaftliche Rollen seien biologisch festgelegt und unveränderbar. Wenn behauptet wird, Frauen würden ihren Wert über Männer erhalten oder seien in erster Linie für bestimmte Aufgaben geschaffen,wird ihnen eine freie und unabhängige Existenzberechtigung abgesprochen. 

Gerade junge Menschen erleben solche Aussagen oft nicht in Form langer Vorträge. Sie begegnen ihnen in kurzen Clips, zusammengeschnittenen Interviews oder viralen Ausschnitten. Die Inhalte sind schnell konsumierbar, emotional aufgeladen und häufig so formuliert, dass sie leicht zu merken sind.. Dadurch wirken sie oft überzeugender, als sie tatsächlich sind.

Was macht das mit Jugendlichen?

Jugendliche verbringen heute einen großen Teil ihres Alltags online. Viele entwickeln ihr Verständnis von Beziehungen, Identität, Respekt und gesellschaftlichem Zusammenleben nicht nur Zuhause oder in der Schule, sondern auch auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Youtube. 

Dort begegnen sie nicht nur objektiver Information. Sie begegnen Weltbildern. Wer regelmäßig Inhalte konsumiert, in denen Falschnachrichten über Frauen verbreitet werden, übernimmt nicht automatisch dieselben Ansichten. Problematisch wird es jedoch, wenn dieselben Botschaften immer wieder auftauchen.

Denn Wiederholung hat Wirkung. Was gestern noch schockierend wirkte, erscheint irgendwann normal. Was früher offensichtlich frauenfeindlich gewesen wäre, wird plötzlich als “Humor”, “Meme” oder “harte Wahrheit” wahrgenommen. Und genau darin liegt die eigentliche Gefahr.

Wenn Frauenfeindlichkeit zur Unterhaltung wird

Besonders problematisch ist, dass viele dieser Inhalte nicht als Frauenfeindlichkeit wahrgenommen werden. Sie erscheinen als Podcasts, kurze Interviewausschnitte, Motivationsvideos oder provokante Diskussionen. Sie werden geteilt, weil sie schockieren oder weil sie vermeintlich “endlich aussprechen, was andere nicht sagen dürfen”.

Hinzu kommt eine Entwicklung, die das Problem noch verschärft. Deepfake-Pornos, KI-generierte Nacktbilder und manipulierte Videos machen es einfacher denn je, Menschen digital anzugreifen. Betroffene berichten davon, dass sie sich digital missbraucht fühlen, weil ihr Gesicht ohne Zustimmung für sexualisierte Inhalte verwendet wird.

Hier treffen zwei Entwicklungen aufeinander: die Möglichkeit neuer Technologien und die Aufmerksamkeitssysteme sozialer Medien.

Denn auch Deepfakes verbreiten sich häufig aus demselben Grund wie viele frauenfeindliche Narrative. Sie schockieren, emotionalisieren und erzeugen Reaktionen. Und genau deshalb werden sie geklickt.

Warum uns das alle betreffen sollte

Natürlich führt nicht jedes frauenfeindliche Video automatisch zu Gewalt. Gesellschaftliche Entwicklungen sind deutlich komplexer. Dennoch wäre es naiv anzunehmen, dass die dauerhafte Verbreitung solcher Narrative folgenlos bleibt. Wenn Frauen über lange Zeit abgewertet, sexualisiert oder ihre Unabhängigkeit als Ursache gesellschaftlicher Probleme dargestellt werden, beeinflusst das die Art, wie über sie gesprochen wird. Es kann dazu beitragen, dass Vorurteile wachsen, Empathie sinkt und diskriminierende Aussagen weniger hinterfragt werden.

Digitale Frauenfeindlichkeit existiert dabei nicht isoliert von der realen Welt. Sie steht im Zusammenhang mit Belästigung, digitaler Gewalt, sexualisierter Gewalt und einer gesellschaftlichen Realität, in der Frauen aufgrund ihres Geschlechts bedroht, kontrolliert oder getötet werden. Femizide entstehen nicht durch ein einzelnes TikTok-Video. Sie entstehen jedoch auch nicht in einem gesellschaftlichen Vakuum. Narrative prägen Wahrnehmung. Wahrnehmungen beeinflussen Einstellungen. Und Einstellungen beeinflussen Handlungen.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung. Nicht darin, einzelne Influencer zu kritisieren. Sondern darin zu erkennen, wie sich Narrative verbreiten, wenn sie millionenfach wiederholt werden. Denn Desinformation verändert nicht nur, was wir über Fakten glauben. Sie kann auch verändern, wie wir über andere Menschen denken. Und vielleicht sollten wir uns deshalb nicht nur fragen, warum Frauenhass klickt. Sondern was passiert, wenn eine ganze Generation lernt, ihn als normal zu betrachten.

Quelle:

https://de.linkedin.com/posts/duezentekkal_frauenhass-kickt-und-klickt-im-netz-mit-activity-7463184165484617729-luph
Eine Person (links) übergibt einen großen, weißen Kreis an eine andere Person (rechts)

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