Welche (audiovisuellen) Elemente sind im Beitrag?
Ein Beitrag macht dich stutzig? Gut so! Dieses Bauchgefühl ist oft der erste Hinweis, dass etwas nicht stimmt und damit dein wichtigster Schutz vor Desinformation und Falschnachrichten.
Bilder, Videos und Grafiken prägen die Wahrnehmung eines Beitrags maßgeblich. Besonders im Zeitalter von Online-Angeboten und Social Media ist die Bedeutung audiovisueller Inhalte gewachsen, da sie Informationen schneller und emotionaler vermitteln können als reiner Text. Doch genau diese Wirkungskraft macht sie zu einem idealen Nährboden für Desinformation. Die Anonymität im Netz erleichtert es, manipulierte oder aus dem Kontext gerissene Inhalte zu verbreiten, ohne direkt zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Da technische Manipulationen heutzutage immer schwerer zu erkennen sind, sinkt auch die Barriere für die Verbreitung von Falschnachrichten. Bei visuellen und auditiven Inhalten ist daher eine erhöhte Wachsamkeit geboten: Ein Bild oder Video sollte nie ungeprüft als Beweis für eine Behauptung akzeptiert werden.
1. Bilder und Videos im Artikel stellen das beschriebene Geschehen tatsächlich und objektiv dar.
Journalistisch ist die Objektivität und der Wahrheitsanspruch in Ziffer 2 des Pressekodex (Sorgfaltspflicht) verankert: Zur Veröffentlichung sind bestimmte Informationen in Bild und Ton auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ein Bild darf nicht fälschlicherweise eine Situation suggerieren, die so nicht stattgefunden hat. Wird beispielsweise ein Archivbild verwendet, um ein aktuelles Ereignis zu illustrieren, muss dies klar gekennzeichnet sein, um die Leser*innen nicht in die Irre zu führen. Dasselbe gilt für Symbolbilder.
Tipp: Prüfe per Rückwärtssuche (z.B. von Google), ob das Bild schon einmal in einem anderen Kontext auftaucht. Schau dir das Bild an. Sind im Hintergrund Häuser, Kennzeichen oder andere auffällige Objekte? Das lässt sich auch bei Videos anwenden: Suche bei Videos nach markanten Einzelbildern.Überprüfe, ob sie zu dem Ort und der Darstellung im Bild passen.
2. Es bestehen keine Zweifel daran, dass Bilder und Videos weder durch den Einsatz von KI noch durch Cropping, Effekte oder Zusammenschnitte manipuliert und künstlich dramatisiert wurden.
Im Netz begegnet uns täglich eine Flut an Videos und Bildern. Besonders auf sozialen Plattformen dominieren Bilder, kurze Videos oder Ausschnitte. Dabei ist es oft gar nicht so einfach, diese Fragmente einzuordnen.
Durch die rasant steigende Qualität künstlicher Intelligenz wird es immer schwieriger zu unterscheiden, welche Inhalte authentisch sind. KI-generierte Bilder und Stimmen gehören mittlerweile fast zum digitalen Alltag. Hinzu kommt der Druck der Plattformen: Um in der Schnelllebigkeit der sozialen Medien zu bestehen, werden Videos mit Effekten „aufgepimpt“, zusammengeschnitten oder durch gezieltes Cropping (das Beschneiden von Bildinhalten) verkürzt. Kritisch wird es dann, wenn Inhalte, besonders im journalistischen Kontext, so verändert, manipuliert und künstlich dramatisiert werden, dass die Objektivität verloren geht oder der Wahrheitsgehalt verfälscht wird.
Auch für den Fall gibt es Richtlinien des Presserats. Besonders kritisch ist hier die Richtlinie 2.2 des Pressekodex (Symbolfotos) sowie das generelle Verbot der Sinnentstellung. Durch den Einsatz von KI, gezieltes „Cropping“ (Weglassen von Kontext im Bildausschnitt) oder dramatische Zusammenschnitte darf die Aussage eines Dokuments nicht verändert werden. Montagen oder bildtechnische Manipulationen müssen als solche deutlich und allgemeinverständlich kenntlich gemacht werden, sofern sie nicht sofort als Illustration erkennbar sind.
Tipp: Ist das Video nicht exklusiv von einem Medium erstellt, schau, ob du es noch anderweitig findest. Vergleiche, ob es Unterschiede gibt, die darauf hindeuten, dass Dinge mutwillig verändert und/ oder manipuliert wurden.
3. Visualisierungen (Grafiken o.Ä.) werden korrekt dargestellt und sind nicht verzerrt.
Visualisierungen wie Infografiken oder Diagramme müssen Daten korrekt abbilden und dürfen nicht durch gestalterische Tricks verzerrt werden. Eine unsaubere Skalierung von Diagrammen verstößt gegen das Gebot der Wahrhaftigkeit (Ziffer 1 des Pressekodex). Wenn eine Grafik optisch eine dramatische Entwicklung suggeriert, die rein rechnerisch kaum existiert, wird die öffentliche Meinung manipuliert. Grafiken sind kein Design-Element, sondern eine Informationseinheit, die derselben Sorgfaltspflicht unterliegt wie das geschriebene Wort.
Tipp: Schau nach, woher die Daten sind. Bei Studien- oder Umfrageergebnissen sind häufig Diagramme und Visualisierungen enthalten, die du prüfen und vergleichen kannst.
4. Die Daten der Visualisierung werden angegeben und sind nachvollziehbar. Die Daten passen zum Zeitraum.
Die Grundlage jeder Visualisierung muss nachvollziehbar sein. Daher ist auch die Angabe der Datenquellen unverzichtbar. Der Pressekodex fordert eine wahrheitsgetreue Wiedergabe von Fakten. Daten müssen zum besprochenen Zeitraum passen und klar und verständlich aufbereitet sein, um keine irreführenden Informationen zu vermitteln. Werden veraltete Daten genutzt oder Zeiträume willkürlich „passend“ gewählt (Rosinenpickerei, also das selektive Auswählen von Daten, die die eigene These stützen), ist dies eine Form der Desinformation, die dem journalistischen Ethos widerspricht.
Tipp: Schau dir genau an, wie die Zeiträume dargestellt sind. Sind sie nachvollziehbar und aktuell? Passt die Zeitachse? Ist es sinnvoll, dass dieser Zeitraum ausgewählt wurde?
Am Ende gilt: Bilder sagen zwar mehr als tausend Worte, aber sie können genauso gut lügen. Kritisches Hinterfragen ist das beste Werkzeug gegen manipulative audiovisuelle Darstellungen. t, wenn das Publikum aufmerksam ist, hinschaut und nachhakt.
