Was steckt wirklich in der Nachricht?
Eine Nachricht macht dich stutzig? Gut so! Dieses Bauchgefühl ist oft der erste Hinweis, dass etwas nicht stimmt und damit dein wichtigster Schutz vor Desinformation und Falschnachrichten.
Beim Thema Inhalt geht es ganz konkret darum, was die Nachricht übermittelt. Lies die Nachricht noch einmal genau und achte auf Sprache, Aufbau und innere Logik: Enthält der Text viele Fehler? Ist er schlüssig formuliert oder voller Widersprüche? Werden unterschiedliche Positionen dargestellt? Schon kleine Details können verraten, ob ein Beitrag informieren oder manipulieren will.
Die folgenden Punkte helfen dir dabei, unseriöse Inhalte aufzudecken.
1. Die Grammatik und Rechtschreibung der Nachricht sind fehlerfrei.
Rechtschreibung und Grammatik können Indikatoren für die Qualität des Beitrags sein. Fehler können zwar passieren, auch bei professionellen Medien, sollten aber dennoch eine Ausnahme bleiben. Redaktionen sind dazu angehalten, Fehler unverzüglich richtigzustellen.
In gezielt verbreiteten Desinformationen kommen Fehler in der Regel häufiger vor. Sie entstehen unter anderem, wenn Texte automatisch aus einer anderen Sprache übersetzt oder kopiert wurden. Ungewöhnliche Satzstellungen oder unpassende Wörter können Hinweise darauf sein.
Ebenso können die übertriebene Nutzung von Satzzeichen (!!!), reißerische Hashtags oder auffällige Emojis ein Indiz für unseriöse Nachrichten sein. In manchen Kontexten dienen Emojis sogar als subtile Codes, die bestimmte Ideologien transportieren. Hinter solchen Symbolen stecken häufig „versteckte“ Beleidigungen oder Hinweise auf Gruppenzugehörigkeiten.
💡 Prüfe, ob es grammatikalische Fehler (z. B. ein fehlender Artikel) oder Rechtschreibfehler gibt, die nicht wie flüchtige Tippfehler wirken. Dafür kannst du dir auch Rechtschreibprogramme wie etwa rechtschreibprüfung24 zur Hand nehmen oder KI-Assistenten nutzen.
2. Der Artikel ist objektiv geschrieben und frei von Hetze, Generalisierungen, Panikmache oder Ähnlichem.
Seriöse Berichterstattung trennt Information klar von Kommentar. In unseriösen Texten verschwimmen diese Grenzen bewusst. Wenn ein Beitrag also emotional argumentiert oder eine bestimmte Gruppe pauschal bewertet, sollte das Misstrauen wecken. Dies gilt insbesondere dann, wenn diskriminierende Sprache verwendet wird. Diskriminierung von Menschen wird im Pressekodex (Ziffer 12: Diskriminierungen) untersagt.
⚠️ Eine Ausnahme für subjektive Texte sind journalistische Meinungstexte. Dazu zählen etwa Kommentare, Glossen oder Kolumnen. Hier geben die Autor*innen ganz bewusst die eigene Meinung wieder. Redaktionen müssen diese Texte aber klar als Meinungstexte kennzeichnen.
Auffällig für nicht vertrauenswürdige Nachrichten sind häufig übertriebene oder stark wertende Formulierungen. Hier wird ganz bewusst mit den Emotionen der Leser*innen gespielt. Auch die Häufung von Superlativen wie „unglaublich“, „schockierend“, „endlich die Wahrheit“, ist ein typisches Stilmittel, um Emotionen zu verstärken statt Fakten zu vermitteln.
3. Im Artikel werden unterschiedliche Positionen dargestellt.
Ein weiteres starkes Indiz für einen vertrauenswürdigen Bericht ist die objektive und ausgewogene Berichterstattung. Das bedeutet primär, dass ein Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird.
Professionell erstellte Inhalte zeigen nicht nur diese Vielfalt auf, sondern ordnen die verschiedenen Positionen auch ein. Nur so ermöglichen sie es Leser*innen, sich selbst eine fundierte Meinung zu bilden.
💡 Schaue dir die im Text genannten Argumente an. Kommen unterschiedliche Positionen zum Ausdruck?
4. Die Überschrift passt zum Inhalt des Artikels.
Besonders in Überschriften sollte man darauf ein Auge werfen. Sie ist oft das Erste, was potenzielle Leser*innen sehen. Medien legen großen Wert auf Überschriften, da dies oft maßgeblich dazu beiträgt, ob Artikel überhaupt gelesen werden.
Aus diesem Grund wird hier bei der Verbreitung von Desinformationen gerne besonders reißerisch formuliert. Wenn stark übertrieben wird oder der Titel provoziert oder dramatisiert wird, spricht man auch von Clickbait. Die Überschrift passt dann oft nicht zum Inhalt des Textes.
💡 Überprüfe, ob die Überschrift den Inhalt des Artikels widerspiegelt.
5. Der Artikel enthält keine offensichtlichen logischen Fehlschlüsse oder argumentative Sprünge.
Ein weiteres Merkmal ist die innere Stimmigkeit. Seriöse Informationen folgen einer nachvollziehbaren Argumentation. Wichtige Begriffe sollten erklärt und eingeordnet werden. Geschehnisse werden in einen Kontext gesetzt, um bei den Leser*innen keine missverständlichen Schlüsse hervorzurufen.
Falschmeldungen machen oft Sprünge oder enthalten unlogische Bezüge. Manche Texte vereinfachen komplexe Themen stark, um Held*innen oder Schuldige zu präsentieren. Diese Schwarz-Weiß-Malerei soll die Welt übersichtlich erscheinen lassen. Das ist ein beliebtes populistisches Stilmittel. Die vermeintliche Einfachheit und unlogische Argumentationen machen eine Nachricht verdächtig.
💡 Stelle dir die Fragen: Wirkt der Artikel strukturiert? Gibt es eine nachvollziehbare Argumentation? Werden Fachbegriffe erklärt und in einen Kontext gestellt? Wird vereinfacht in „gut“ und „böse” unterschieden?
6. Der Artikel ist von einer fachkundigen Person oder beruflichen Journalist*innen geschrieben.
In den meisten Fällen findest du den Namen der Autor*innen im oberen Teil des Beitrags, oft direkt unter der Überschrift oder nach dem Teaser. Das ist sowohl bei Online-Artikeln als auch im Print gängig. Nur selten werden keine Namen genannt. Das kommt beispielsweise bei investigativen Recherchen vor, bei denen die Identität der Verfasser*innen geschützt werden soll. Bei den meisten Medien kannst du außerdem die zugehörigen Autor*innenprofile einsehen. Dort erfährst du häufig mehr über beruflichen Hintergrund, thematische Schwerpunkte oder weitere Veröffentlichungen.
💡 Um zusätzliche Informationen zu erhalten, lohnt sich auch eine eigenständige Recherche. Etwa über die Website des Mediums, berufliche Netzwerke wie LinkedIn oder frühere Publikationen der jeweiligen Person.
7. Es wird angegeben, wenn Informationen unsicher, vorläufig oder umstritten sind.
Seriöse Beiträge machen transparent, an welchen Stellen Faktenlage oder Forschungslage noch uneindeutig ist. Häufig findest du entsprechende Hinweise direkt im Text. Auch Fußnoten, Quellenverweise oder eingebundene Einschätzungen verschiedener Fachstellen können auf Unsicherheiten hinweisen.
Um dies zu überprüfen, lohnt es sich, auf solche sprachlichen Markierungen zu achten und gegebenenfalls die angegebenen Quellen selbst nachzuschlagen. Besonders nützlich sind offizielle Studien, wissenschaftliche Publikationen oder Statistiken, die zeigen, ob eine Aussage gesichert oder noch in Diskussion ist.
💡 Achte im Text bei ungeklärten Sachlagen auf Formulierungen wie „nach aktuellem Stand“, „bisherige Erkenntnisse deuten darauf hin“ oder „Expert*innen sind sich uneinig…“.
8. Es werden keine entscheidenden und relevanten Informationen ausgelassen, die das Gesamtbild verändern würden.
Ein vertrauenswürdiger Beitrag stellt alle wesentlichen Fakten dar, die für das Verständnis des Themas notwendig sind. Achte darauf, ob wichtige Gegenpositionen, Kontextinformationen oder Einschränkungen genannt werden. Wenn zentrale Aspekte fehlen oder nur ein Teil der Fakten präsentiert wird, kann das ein Hinweis auf ein verzerrtes Gesamtbild sein.
💡 Um dies zu prüfen, lohnt sich ein Blick in zusätzliche Quellen, wie etwa andere Medienberichte, Originalstudien oder offizielle Daten, um zu sehen, ob etwas Wesentliches ausgelassen wurde.
9. Der Artikel ist frei von Sponsoring, Advertorial-Charakter und verbirgt keine versteckte Werbeabsicht.
Qualitativ hochwertige Beiträge kennzeichnen Werbung und Sponsoring klar und trennen sie deutlich vom redaktionellen Inhalt. Verschriftlicht ist dies auch im Pressekodex unter den Ziffern 7.1 und 7.2. Diese beschreiben die klare Trennung von Werbung und Redaktion sowie das Verbot von Schleichwerbung.
💡 Achte darauf, ob ein Artikel ungewöhnlich positiv über konkrete Produkte, Dienstleistungen oder Unternehmen spricht, ohne Kritik oder Alternativen zu erwähnen. Hinweise wie „Anzeige“, „gesponsert“ oder „Advertorial“ sollten sichtbar sein. Fehlen solche Kennzeichnungen, hilft ein Blick in das Impressum, die Hinweisseiten des Mediums oder eine kurze Recherche, ob zwischen Medium und beworbenen Unternehmen Verbindungen bestehen.
10. Die im Beitrag aufgeführten Behauptungen wurden bislang nicht durch Fact-Checking widerlegt.
Die im Beitrag genannten Fakten wurden bislang nicht von unabhängigen Faktenprüfstellen widerlegt. Es liegen keine glaubhaft begründeten Korrekturen oder Gegendarstellungen vor, die auf fehlerhafte oder irreführende Aussagen hinweisen.
💡 Ein Abgleich mit Fact-Checking-Portalen hilft, bereits überprüfte oder widerlegte Behauptungen zu erkennen. Mehrere spezialisierte Plattformen nehmen regelmäßig journalistische Inhalte unter die Lupe, darunter Mimikama, APA-Faktencheck, dpa-Faktencheck, Correctiv und ARD-Fakten Finder.
11. Der Artikel beinhaltet keine (weiteren) offensichtlichen Manipulationstechniken, um die Wahrnehmung bewusst zu beeinflussen.
Manipulationstechniken können vielseitig sein. Einige Strategien sind schon in den vorangegangenen Erklärungen benannt worden. Sie reichen von emotionalisierender Sprache über Mehrheitsillusion (im Sinne von: „alle denken so“) über Verschwörungsnarrative, in denen „geheimes Wissen“ geteilt wird.
💡 Wir haben dir hier nochmal eine umfassende Auswahl bekannter Manipulationstechniken aus dem Desinformationsraum zusammengestellt. Treffen eines oder gar mehrere (neue) Punkte auf den Beitrag zu, könnte es ein Hinweis auf manipulative Beeinflussung sein.
