Wo ist der Beitrag erschienen?
Ein Beitrag macht dich stutzig? Gut so! Dieses Bauchgefühl ist oft der erste Hinweis, dass etwas nicht stimmt und damit dein wichtigster Schutz vor Desinformation und Falschnachrichten.
Um die Vertrauenswürdigkeit eines Beitrags einzuschätzen, sollte man nicht nur den Beitrag selbst anschauen, sondern auch das Medium, in dem der Beitrag veröffentlicht wurde. Auch dabei können Punkte zu finden sein, die den Beitrag weniger vertrauenswürdig machen. Konkret kannst du die folgenden Punkte prüfen:
Das Medium scheint finanziell und politisch unabhängig zu sein. Es gibt keine offensichtlichen Interessenskonflikte, die die Berichterstattung beeinflussen.
Wenn ein Beitrag in einem Medium erscheint, das offensichtlich Interessen hat, die mit dem Beitrag in Verbindung stehen, liegt der Verdacht nahe, dass der Beitrag nicht unabhängig verfasst wurde, sondern vielmehr dazu dient, die dahinterliegenden Interessen des Mediums durchzusetzen. Beispiel: Ein Blog-Artikel über die gesundheitlichen Folgen von Zuckerkonsum auf der Website eines Lobby-Verbands der Lebensmittelindustrie wäre weniger vertrauenswürdig als ein Artikel zum selben Thema in einer medizinischen Fachzeitschrift. Das bedeutet nicht, dass der Artikel auf der Lobby-Website nicht auch korrekt sein kann – allerdings ist in diesem Fall besondere Vorsicht geboten.
Im Fall Social Media: wird das Profil oder die postende Person von Unternehmen oder politischen Akteur*innen gesponsort, kann es darauf hinweisen, dass der Beitrag nicht unabhängig verfasst wurde. Ein kreatives und witziges Aufklärvideo zu Zuckerkonsum in Deutschland, das bspw. von einem Influencer des Lobby-Verbands gepostet wird, wäre weniger vertrauenswürdig als ein Post von unabhängigen Forschenden.
💡Tipp: Prüfe das Impressum, um herauszufinden, wer Betreiber der Website ist. Falls dir die Organisation nicht bekannt ist, kann eine Online-Recherche helfen, mehr über sie herauszufinden. Im Fall Social Media kann ein Blick auf andere Videos lohnen, in denen die Person möglicherweise Aufschluss über ein Sponsoring gibt. Im Normalfall sollte ein Sponsoring oder eine bezahlte Werbung auch im Text eines Posts vermerkt sein.
Der Internetauftritt (URL Adresse, Logo, Design) des Mediums ist authentisch. Er imitiert keine bereits bekannten Internetseiten und Medien.
Immer häufiger werden bestehende Webseiten von Hackern nachgebaut, um Schaden anzurichten. So werden beispielsweise Seiten von Banken imitiert, um Zugang zum Online-Banking oder Kreditkarten zu ergaunern oder Seiten von Nachrichtenportalen werden imitiert, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen.
Im Fall Social Media: Das Profil der postenden Organisation oder Person imitiert keine bereits bekannten Organisationen oder Personen. Es gibt keinen Verweis auf Satire oder “Fan Accounts” und es werden keine fehlerhaften oder anderweitig auffälligen Links im Profil angegeben.
💡Tipp: Prüfe die Seite genau. Ist die URL tatsächlich korrekt oder befinden sich dort kleine Fehler (z.B. sp1egel.de statt spiegel.de)? Wird die Seite korrekt angezeigt oder sieht die Seite etwas anders aus als das Original? Gehe im Zweifel direkt auf diese Seite des Mediums und versuche den Artikel dort zu finden, z.B. über die Suchfunktion.
Die Seite hat keine ungewöhnlichen technischen Merkmale wie auffällige Tracker, Pop-Ups und/oder aggressive Werbung.
Tracker können verwendet werden, um Daten der User zu sammeln und ggfs. zu monetarisieren. Auch aggressive und überbordende Werbung kann ein Zeichen für eine geringere Vertrauenswürdigkeit sein. Bei solchen Seiten ist es das Ziel, möglichst viele User auf die Seite zu bringen (z.B. durch Clickbaiting mit übertriebenen Überschriften) und ihnen dann möglichst schnell viel Werbung anzuzeigen. Dies kann im Widerspruch zu sauberer redaktioneller Arbeit stehen
Das Medium gibt Einblicke in den redaktionellen Standard (z. B. Korrekturrichtlinien, Ombudsstelle) sowie das Impressum und/oder Kontaktinformationen.
Um die Vertrauenswürdigkeit eines Mediums einschätzen zu können, ist Transparenz ein wichtiger Faktor. Fragen wie: Wer arbeitet in der Redaktion? Wie arbeitet die Redaktion? Wie kann ich Kontakt aufnehmen? Wie geht die Redaktion mit Fehlern um? Etc.
💡Tipp: Suche auf der Website nach Bereichen wie “Über Uns”, “Redaktion”, “Unsere Arbeitsweise”, um herauszufinden wie die Redaktion arbeitet. Prüfe außerdem das Impressum, denn dort müssen Kontaktmöglichkeiten und redaktionell verantwortliche Personen angegeben sein.
Es gibt keine (bis wenige) dokumentierten Fälle von Falschberichterstattung des Mediums oder frühere Veröffentlichungen die Zweifel an ihrer Seriosität begründen.
Bei einem Medium oder auch bei einer Person oder Organisation auf Social Media-, das bereits häufig durch Falschberichterstattung aufgefallen ist, liegt der Verdacht nahe, dass auch beim vorliegenden Artikel nicht seriös berichtet wird.
💡Tipp: Prüfe, ob das Medium bereits häufig vom deutschen Presserat gerügt wurde oder ob andere Artikel des Mediums schon häufig durch Faktenchecks oder andere Berichterstattung widerlegt wurden.
